Im Jahr 2025 sah sich die belarussische Zivilgesellschaft weiterhin schwerer Repression und hohen Sicherheitsrisiken ausgesetzt. Eine erhebliche Eskalation stellte die Einstufung der Partnerorganisation der djo – Deutsche Jugend in Europa, RADA, als „extremistische Organisation“ dar. Dadurch erhöhten sich die Risiken für Aktivist_innen weiter und die internationale Zusammenarbeit wurde noch sensibler.
Vor diesem Hintergrund setzte die djo – Deutsche Jugend in Europa gemeinsam mit ihrer belarussischen Partnerorganisation RADA – Nationaler Rat der zivilgesellschaftlichen Kinder- und Jugendorganisationen – das Projekt „Resilient Belarusian Civil Society through Youth Engagement“ als bewusste Fortführung des Programms aus den Jahren 2023–2024 um. Die Entscheidung zur Fortsetzung basierte auf der Evaluation des vorherigen Projektzyklus, welche die Relevanz und den strategischen Wert des Ansatzes zur Unterstützung belarussischer Jugendaktivist_innen unter Bedingungen von Repression und erzwungener Migration bestätigte. Das vom 15. März bis zum 31. Dezember 2025 laufende Projekt wurde vom Auswärtigen Amt über das Förderprogramm zivik des Instituts für Auslandsbeziehungen e.V. finanziert.
Es richtete sich an junge belarussische Aktivist_innen sowie an Jugendarbeiter_innen und Multiplikator_innen innerhalb des belarussischen zivilgesellschaftlichen Ökosystems. Das übergeordnete Ziel bestand darin, diese Akteur_innen zu stabilisieren und zu stärken, indem ihre Kompetenzen in Konflikttransformation, Dialog und Gewaltfreier Kommunikation (GFK) vertieft wurden. Gleichzeitig sollten psychische Belastungen, interne Spannungen und das Risiko von Erschöpfung adressiert werden. Anstatt sich auf kurzfristige politische Ergebnisse zu fokussieren, konzentrierte sich das Projekt bewusst auf die Stärkung der inneren Resilienz, des Zusammenhalts und der Nachhaltigkeit der Aktivist_innen-Community.
Das Programm folgte einer zyklischen Struktur, die Tiefe, Kontinuität und Wiederholung verband. Es umfasste zwei Offline-Workshops sowie ein intensives „Conflict Transformation Lab“, das in wiederkehrende Online-Formate eingebettet war: drei „Empathy Cafés“, drei thematische Online-Workshops und zwei Gruppen-Mentoring-Sitzungen. Durch diese Struktur konnten die Teilnehmenden neue Kompetenzen in ihren Alltagskontexten anwenden und mit konkreten Lernbedarfen in die Gruppe zurückkehren. Ergänzend standen von Mai bis Dezember individuelle Empathie- und Mentoring-Sitzungen zur Verfügung, um eine passgenaue Unterstützung zu ermöglichen.
Das fünftägige „Conflict Transformation Lab“, das am Ende des Herbstes stattfand, stellte die zentrale Vertiefungsphase des Programms dar. Es brachte die Community zusammen und bot traumasensible, praxisorientierte Arbeit zu Konfliktdynamiken, Dialog und Mediation sowie zu psychosozialen Themen wie dem Umgang mit Scham oder kollektiver Trauer. Parallele Lernstränge und individuelle Konsultationen ermöglichten es den Teilnehmenden, ihr Engagement an ihre jeweiligen Kapazitäten und aktuellen Herausforderungen anzupassen. Die Rückmeldungen der Teilnehmenden bestätigten die hohe Relevanz und die unmittelbare Anwendbarkeit der Inhalte.
Sicherheitsaspekte prägten alle Phasen der Umsetzung: Aufgrund der Einstufung von RADA als extremistische Organisation wurde die öffentliche Sichtbarkeit reduziert und der Umgang mit personenbezogenen Daten erfolgte gemäß erweiterter Sicherheitsprotokolle. Trotz dieser Einschränkungen blieben die Teilnahmezahlen stabil, und die Rückmeldungen zu allen Formaten hoben durchgängig das Vertrauen und das Gefühl der Sicherheit hervor. Diese Aspekte unterstützten die Bildung einer stabilen Gemeinschaft. Zudem wurde die Relevanz des Programms hervorgehoben, die sich in der Fähigkeit der Teilnehmenden zeigte, die erlernten Kompetenzen praktisch anzuwenden. Die Teilnehmenden berichteten, dass sie Methoden der Konflikttransformation und der Gewaltfreien Kommunikation in aktivistischen, beruflichen und persönlichen Kontexten einsetzen und diese Ansätze in ihren Organisationen und Netzwerken weitergeben.
Strategisch bestätigte das Projekt die Bedeutung von Investitionen in die Resilienz und den Zusammenhalt junger belarussischer Aktivist_innen. In einer Situation, in der Repression anhält und kurzfristige politische Veränderungen nicht zu erwarten sind, ist es von zentraler Bedeutung, diese Akteur_innen dabei zu unterstützen, in Verbindung zu bleiben, emotional stabil zu bleiben und zu konstruktivem Engagement fähig zu bleiben. Das Projekt zeigte, dass auch unter sich verschärfenden Sicherheitsbedingungen eine vertrauensbasierte, langfristige Unterstützung dazu beitragen kann, eine demokratische Kultur innerhalb der Zivilgesellschaft aufrechtzuerhalten.

