1974 – Von der Deutschen Jugend des Ostens zur Deutschen Jugend in Europa

Nach einer Reihe von verbandsinternen Diskussionen und Tagungen beschloss die DJO im Januar 1974, einhergehend mit einer Neuwahl des Bundesvorstandes, die Umbenennung und inhaltliche Umstrukturierung des Verbandes. Der Bundesverband der DJO nannte sich nunmehr „DJO – Deutsche Jugend in Europa“. Bei der Umbenennung blieb des „o“ im Verbandsnamen erhalten. Es symbolisiert die Verbindung und Erinnerung an den Ursprung des Verbandes.

Auch das bisherige Verbandsymbol wurde ersetzt: Die später umstrittene „Odals-Rune“ mit Kreis und ostwärts gerichtetem Pfeil aus dem ursprünglichen Emblem wich einer Windrose. Dies versinnbildlichte die neue Ausrichtung des Verbandes auf die die internationale Zusammenarbeit mit Menschen aus verschiedenen europäischen Ländern – unabhängig von deren staatlicher Verfassung – insbesondere mit Jugendlichen in den ehemaligen Siedungsgebieten.

Jubelnde DJOler_innen schwenken ihre Fahnen

Die Pflege des ostdeutschen Kulturguts sollte zwar weiterhin eine wichtige Aufgabe des Verbandes sein, doch sollte sie künftig der Völkerverständigung dienen. Die Verbandsarbeit sollte nun dazu beitragen, die europäischen Grenzen durchlässiger zu machen und trennende Barrieren zu überwinden. Der Verband bekannte sich erneut und eindeutig zum Grundgesetz und damit auch zur Anerkennung aller durch die Bundesregierung beschlossenen Verträge – inklusive der Ostverträge.

Zwar gab es unter den Mitgliedern weiterhin geteilte Meinungen zur Grenzfrage zwischen Deutschland und Polen; der Verband erkannte aber an, dass die Regelungen einem Dialog zwischen den Menschen die Tür öffneten. Nicht mehr die Rückkehr in die ehemaligen Siedlungsgebiete, sondern die Aussöhnung mit den jetzigen Bewohner_innen dieser historischen Landschaften wurde zum Ziel erklärt. Um künftig als Vermittlerin zwischen der Jugend Westdeutschlands und jener der Staaten im Osten zu fungieren, versuchte die DJO – Deutsche Jugend in Europa einen Kontakt zur FDJ in der DDR – wie bereits in den 1950er Jahren als die ideologischen Mauern zwischen beiden Organisationen noch zu hoch waren – und zu den anderen staatlichen Jugendorganisationen der Länder Osteuropas aufzubauen.

In den folgenden Jahren arbeitete die DJO – Deutsche Jugend in Europa daran, ihre Grundsätze auf den verschiedenen Ebenen der Verbandsarbeit umzusetzen, etwa durch neue Lehr- und Lernformen, in denen laut Bildungsplan des Verbands die „Kommunikation, Kooperation und Solidarität“ im Vordergrund stehen sollten. Außerdem positionierte sich der Verband gegen Aufrüstung in Europa.

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