Jugendarbeit in den 1950er Jahren

Der Verband sah seine zentrale Aufgabe in der Arbeit von, mit und für vertriebene Jugendliche. Ihnen fiel es oft schwer, die Erlebnisse des Krieges und der Vertreibung zu verarbeiten und sich in der neuen Umgebung zurechtzufinden. Die Gemeinschaft der DJO-Gruppen bot den Jugendlichen Orientierung, Schutz und Lebensperspektiven.

Jubelnde DJOler_innen schwenken ihre Fahnen

Die pädagogische Arbeit im Verband hatte viele verschiedenen Formen. So bot die DJO Freizeitprogramme an und veranstaltete gemeinsame Jugendherbergs- und Ferienheimreisen oder Zeltlager. Auch Reisen ins europäische Ausland wurden von Mitgliedern der DJO organisiert. Ebenso gehörten musische Fahrten von Gesangs-, Musik- und Tanzgruppen zum Programm der verschiedenen DJO-Verbände. Diese Arten der Freizeitgestaltung sollten in den ersten Jahren der Verbandsarbeit die Mitglieder vor allem ablenken und aufheitern. Dennoch hatten sie auch eine erzieherische und kulturpolitische Komponente, die im Laufe der 1950er Jahre immer stärker in den Vordergrund trat. Die DJO legte Wert auf die Erziehung in der Gemeinschaft, die insbesondere in der gemeinsamen Herkunft der Kinder und Jugendlichen begründet lag. Die Pflege des kulturellen Erbes der verschiedenen landsmannschaftlichen Gruppen spielte daher in den Veranstaltungen eine große Rolle:

Jubelnde DJOler_innen schwenken ihre Fahnen

Trachten, Liedgut, Tanz sowie Wissen über die Geografie der verlassenen Gebiete waren zentrale Themen der Veranstaltungen. Ziel dieser Bildungsarbeit war es, eine „mahnende junge Generation“ zu erziehen, die zum Ausdruck bringen wollte, dass sich die territorialen Ansprüche im östlichen Europa nicht mit dem Aussterben der Erlebnisgeneration erledigen würden. Die konkrete Hoffnung auf eine Rückkehr schwand zwar mit den ersten Nachkriegsjahren rasch, aber die revisionistischen Ziele der DJO blieben erhalten und waren ein entscheidender Kritikpunkt ihrer Gegner_innen. Es ging der DJO also nicht allein um die Bewahrung und Forderung der kulturellen Identität, sondern zeitweise auch um den Anspruch auf die verlorenen Gebiete, was deutlich die Interessen der osteuropäischen Nachbarstaaten verletzte.

Um die verschiedenen Vorhaben des Verbandes zu finanzieren, wurde bereits 1950 das Jugendsozialwerk der DJO gegründet, das sich um Fördermöglichkeiten und Gelder bemühte. Die Aufnahme in den Bundesjugendring war ein wichtiger Schritt zur Anerkennung des Verbandes und verbesserte auch den Zugang zu den Förderangeboten der Bundesrepublik. Mithilfe der erhaltenen Zuwendungen vermittelte die DJO in Not geratenen Jugendlichen – unter besonderer Berücksichtigung der Vertriebenen – Wohnung, Ausbildung und Arbeit, finanzierte juristische Beratungen, vermittelte Darlehen und unterstützte den Bau und Betrieb von Gruppenhäusern und -räumen der DJO-Mitgliedsgruppen.

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