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31. Oktober 2021
Erinnerungskultur in der Migrationsgesellschaft

In unserer letzten Veranstaltung unserer Diskussionsreihe „Wir reden mit“ zum Thema „Erinnerungskultur in der Migrationsgesellschaft“ ging es um folgende Fragen: Wer bestimmt eigentlich, was erinnert wird? Welche Erinnerungsdiskurse und Erinnerungsorte gibt es in Deutschland? Welche Erinnerungsdiskurse werden verdrängt? Wie wird mit kontroversen und konflikthaften Erinnerungen umgegangen? Wie müssen Erinnerungsdiskurse in der Migrationsgesellschaft neu gedacht werden?

Es diskutierten Sevim Aydin, Kandidatin für das Abgeordnetenhaus in Friedrichshain-Kreuzberg für die SPD, Serdar Akin, Stadtrat in Augsburg (Bündnis 90/Die Grünen) und Magdalena Lovrić, Projektkoordination Förderprogramm Migration und Erinnerungskultur bei der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft mit Vertreter_innen aus djo-Mitgliedsorganisationen. Einen Impulsvortrag gab es von Dr. Elke Gryglewski, Geschäftsführerin und Leiterin der Gedenkstätte Bergen-Belsen, Stiftung niedersächsische Gedenkstätten. Tanja Rußack, geschäftsführende Jugendbildungsreferentin beim djo LV Sachsen-Anhalt, hat die Moderation übernommen.

Die Veranstaltung war Teil der digitalen Diskussionsreihe „Wir reden mit“. Ihr findet diese auf unserem YouTube-Kanal:

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Sevim Aydin (Kandidatin für das Abgeordnetenhaus in Friedrichshain-Kreuzberg für die SPD)

Erinnerungskulturen in der Migrationsgesellschaft sind zu wenig in der Öffentlichkeit vertreten. Wir sind am Anfang dieser Diskussion. Um das zu ändern, müssen wir uns von dem nationalstaatlichen Erinnerungsrahmen lösen. Die zahlreichen Diskurse müssen zusammengebracht werden um mehr Identifikation – auch für Jugendliche – zu schaffen.

 

Serdar Akin, Stadtrat in Augsburg (Bündnis 90/Die Grünen)

Wenn wir von Erinnerungskultur in Deutschland reden, dann müssen auch die Erinnerungen und Empfinden der Menschen, die hierhergekommen sind, gehört werden. Mein persönliches Ziel ist es: Dass uns die Erinnerung von allen angeht, denn das ist Teil der Menschheitsgeschichte. (…) Wichtig für die Jugendarbeit ist auch: Unsere Bedürfnisse stehen nicht in Konkurrenz.

 

Magdalena Lovrić (Projektkoordination Förderprogramm Migration und Erinnerungskultur bei der Stiftung Erinnerung)

Diverse Perspektiven auf Geschichte des Nationalsozialismus fordern immer stärker ihre Sichtbarkeit in Erinnerungskulturen. (…) Die Verflechtungen sind immens, aber die Darstellung all dieser Geschichten und die Erschließung der Thematiken muss hart erarbeitet werden wie beispielsweise die Aufarbeitung des Genozids an Sinti_zze und Rom_nja. Das ist noch immer ein Randthema.

 

Soliman Mohammed Ali (Komciwan)

Die Politik spielt bei Erinnerungsdiskursen eine große Rolle. Allein dadurch, dass sie bestimmte Ereignisse anerkennt, kann sie die Erinnerungskultur in Deutschland immens verändern. Bestimmte Ereignisse müssen ins Curriculum mit einbezogen werden, das wäre ein Fortschritt. Momentan ist es aber noch schwierig, über eine diverse Erinnerungskultur zu sprechen.

 

Dr. Elke Gryglewski (Geschäftsführerin und Leiterin der Gedenkstätte Bergen-Belsen, Stiftung niedersächsische Gedenkstätten)

Wir müssen Angebote an alle Mitglieder unserer Gesellschaft machen, um den verschiedenen Erinnerungsdiskuren mehr Raum zu geben. Und wir müssen die Verflechtungen dieser Erinnerungen zusammenbringen, um eine globalere Erinnerung in diesem Land zu etablieren.

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