One week for future

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27. Juli 2021
One Week For Future
Die deutsch-tschechischen Programmwochen des djo-Bundesverbands zum Thema Nachhaltigkeit

In den letzten Jahren stellten wir jeweils herausragende Persönlichkeiten und mit ihnen verknüpfte Themen in den Fokus der deutsch-tschechischen Programmwochen. 2019 ging es beispielsweise um Jan Palach und Rosa Luxemburg und das Thema „Widerstand“. Dabei wurde schnell klar, dass die Jugendlichen unter anderem ein Thema besonders mit Widerstand assoziierten und hier eine direkte Verbindung zu ihrem aktuellen Leben sahen: Nachhaltigkeit. Denn zu den Themen Nachhaltigkeit und Klimaschutz waren die meisten der teilnehmenden Jugendlichen – oftmals zum ersten Mal in ihrem Leben – politisch aktiv geworden und hatten ihre Forderungen auf die Straße getragen. Spannenderweise ergab sich somit aus der Erfahrung und den Diskussionen der Programmwochen 2019 das Thema für dieses Jahr sowie auch für die Programmwochen 2021. Wir verabschiedeten uns also von der Reihe der historischen Figuren und wagten uns an eins der brisantesten Themen dieser Zeit, Nachhaltigkeit, mit dem viele schmerzhafte ökologische, politische und wirtschaftliche Fragen verbunden sind.

Wir überlegten, wie wir das Thema Nachhaltigkeit vermitteln können, ohne, dass es moralisierend wird und ohne, dass die Teilnehmenden dabei in eine lähmende Überforderung kommen. Dies war unsere Idee: wir gestalten den Seminarraum so, dass die Jugendlichen beim Hineinkommen zuerst Visualisierungen von Fakten zum Thema sehen – Fakten, die erschrecken, die wir uns vielleicht wegwünschen und die wir manchmal verdrängen.
Einige davon: „Würden alle Menschen so leben wie der/die Durchschnittsdeutsche, bräuchten wir mehr als drei Erden“, „Bedeutende globale Elektronikhersteller […] können nicht garantieren, dass in ihren Produkten kein Kobalt aus Kinderarbeit genutzt wird.“, „Bis zu 130 Pflanzen- und Tierarten sterben täglich“, „Das reichste Prozent der Weltbevölkerung besitzt mehr als die restlichen 99%“. Diese Fakten können schnell erdrückend wirken und Fragen von eigener Schuld generieren. Dies könnte mitunter zur Überforderung und zur Lähmung führen. Die Auseinandersetzung kann aber auch dazu führen, dass Emotionen wachgerufen werden – und über dieses Fühlen können wir ins Handeln kommen. Ebendies ist unsere Hoffnung und unser Versuch. In der Programmwoche möchten wir die Jugendlichen und uns ermutigen, zu schauen, inwiefern wir zu einem Wandel beitragen können. Wir versuchen also diese Fakten nach und nach mit positiven Vorhaben zu überhängen.

In Prag (dieser Programmpunkt musste bei den Programmwochen im Oktober 2020 aufgrund von Corona ausfallen) treffen wir beispielsweise Mitbegründer_innen der Fridays for Future-Bewegung Tschechien und diskutieren mit Politiker_innen. In Dresden beschäftigen sich die Jugendlichen während einer Stadtrallye mit dem Produktionsweg von Handys, mit Müllentstehung und der „Wegwerfgesellschaft“ sowie mit der Herstellung von Kleidung. Dabei besuchen sie vor Ort verschiedene Initiativen und Läden, die Wege nachhaltigen Wirtschaftens praktisch beschreiten.
Zwischen den Ausflugtagen nach Prag und Dresden findet der „Projekttag“ statt, der wie ein Barcamp organisiert ist – jede_r der/die mag, bietet einen thematischen Workshop an. Beim letzten Mal entstanden folgende Workshops: Portemonnaies aus Tetrapacks basteln, eine Infotheke, in der sich alle ihren ökologischen Fußabdruck berechnen lassen können, Ohrringe aus Plastikmüll basteln, vegan kochen. Am Nachmittag des Barcamps finden sich die Jugendlichen in binationalen Teams zusammen und brainstormen dazu, wie verschiedene Bereiche ihres Schulalltags nachhaltiger organisiert werden könnten.

Bei den Programmwochen in diesem Jahr entstanden so schöne, kreative Ideen, so lebendige Diskussionen wie noch nie zuvor und wir glauben, dass die Schüler_innen tatsächlich sehr motiviert aus den letzten Programmwochen gegangen sind. Um zu überprüfen, wie nachhaltig unsere Wochen zum Thema „Nachhaltigkeit“ sind, ist geplant, dass unser Referent_innenteam die teilnehmenden Jugendlichen circa zwei Monate nach den Programmwochen dazu befragt, ob bzw. inwiefern sich ihr (Schul-)Leben seitdem verändert hat und welche Ideen für mehr Nachhaltigkeit sie umsetzen konnten.

Theres du Vinage
Referentin für Kulturelle Jugendbildung
djo – Deutsche Jugend in Europa, Bundesverband e.V.

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